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Exzerpte, hier und da verstreut in Jahren gesammelt, wirr durcheinander, Philosophie, Dichtung, Erkenntnistheorie, Religion, Politik, Gesellschaftskritik. Nicht alles, was da steht, finde ich richtig. Aber alles interessant.

 

 

„Jedes Wort ist ein Vorurtheil.“

 Friedrich Nietzsche, 1883, KSA 10, Seite 388

 

„Was ist also Wahrheit? [...] eine Summe von menschlichen Relationen [...].“

 Friedrich Nietzsche, 1873, Über Wahrheit und Lüge ..., KSA 1, Seite 880

 

„So lange alle menschlichen socialen moralischen Bande abstreifen, bis wir tanzen und springen können wie die Kinder.“

 Friedrich Nietzsche, KSA 9, Seite 399

 

„Erster Satz meiner Moral: man soll keine Zustände erstreben, [...]“

 Friedrich Nietzsche, 1881, KSA 9, Seite 592

 

„Die Welt, soweit wir sie erkennen können, ist unsere eigene Nerventhätigkeit, nichts mehr.“

 Friedrich Nietzsche, 1880, KSA 9, Seite 436

 

„Auch der Muthigste von uns hat nur selten den Muth zu dem, was er eigentlich weiss ...“

 Friedrich Nietzsche, KSA 6, 59

 

„Ich misstraue den Systematikern und gehe ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit.“

 Friedrich Nietzsche, KSA 6, 63

 

„Das vernünftige Denken ist ein Interpretieren nach einem Schema, welches wir nicht abwerfen können.“

 Friedrich Nietzsche, KSA 12, 194 (1886)

 

„Die DNA legt für ein bestimmtes Individuum niemals fest, wie es sich in allen Details zu entwickeln hat, sondern sie bestimmt die Grenzen, in denen die verschiedenen Merkmale ausgebildet werden, je nach den Umweltbedingungen, denen das Individuum in den verschiedenen Entwicklungsstadien ausgesetzt ist.“

 Schilcher, Florian von: Vererbung des Verhaltens. Thieme, Stuttgart, 1988

 

„Wenn ich [...] oder wenn irgend ein anderer kluger, verständiger und erfahrener Mensch plötzlich die Mauern niederrisse, die seine wahre Meinung über nahezu alle Dinge unter der Sonne verbergen, würde man daraus sofort schließen, daß er seinen Verstand verloren habe und in die Irrenanstalt gehöre.“

 Mark Twain, Autobiographie, aus dem 75. Kapitel, dieses Kapitel wurde am 13.01.1908 geschrieben (Anmerkung des Hg in einer deutschen Ausgabe), der Besuch, dem Twain hier seine Meinung sagt, fand der Kapitel-Einleitung zufolge „vor zwei, drei Wochen“ statt

 

„Die Berechenbarkeit der Welt, die Ausdrückbarkeit alles Geschehens in Formeln – ist das wirklich ein ›Begreifen‹? Was wäre wohl an einer Musik begriffen, wenn alles, was an ihr berechenbar ist und in Formeln abgekürzt werden kann, berechnet wäre?“

 Nietzsche, Nachgelassene Fragmente 1886/87, KSA, Bd. 12, Seite 314.

 

„Gegen den Positivismus, welcher bei dem Phänomen stehen bleibt ›es giebt nur Thatsachen‹, würde ich sagen: nein, gerade Thatsachen giebt es nicht, nur Interpretationen. Wir können kein Factum ›an sich‹ feststellen: vielleicht ist es ein Unsinn, so etwas zu wollen. ›Es ist alles subjektiv‹ sagt ihr: aber schon das ist Auslegung, das ›Subjekt‹ ist nichts Gegebenes, sondern etwas Hinzu-Erdichtetes, Dahinter-Gestecktes. – Ist es zuletzt nöthig, den Interpreten noch hinter die Interpretation zu setzen? Schon das ist Dichtung, Hypothese.

 Soweit überhaupt das Wort ›Erkenntniß‹ Sinn hat, ist die Welt erkennbar: aber sie ist anders deutbar, sie hat keinen Sinn hinter sich, sondern unzählige Sinne ›Perspektivismus‹.

 Unsre Bedürfnisse sind es, die die Welt auslegen: unsre Triebe und deren Für und Wider. Jeder Trieb ist eine Art Herrschsucht, jeder hat seine Perspektive, welche er als Norm allen übrigen Trieben aufzwingen möchte.“

 Nietzsche, Nachgelassene Fragmente 1986/87, KSA, Bd. 12, Seite 315.

 

Mythos: Ein gewisser Sallustias von den Atthismythen: „Das hat sich nie zugetragen, aber es ist immer.“

 (Wohl aus: Otto, Walter F.: Dionysos. Mythos und Kultus. Vittorio Klostermann, Frankfurt a.M., 1939 (2. unveränderte Auflage, Erstauflage 1933).

 

„Es ist schade, daß es keine Sünde ist, Wasser zu trinken“, rief ein Italiener, „wie gut würde es schmecken!“

 Georg Christoph Lichtenberg, aus: Aphorismen, Insel-Verlag (Seite 130). Entstanden zwischen 1775 und 1779.

 

Von La Rochefoucauld aus „Reflexionen oder moralische Sentenzen und Maximen“, Erstausgabe 1665, nach: Die französischen Moralisten, übersetzt und herausgegeben von Fritz Schalk, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig / Schünemann Bremen, 1980 (2. Auflage):

 Niemals ist man so glücklich oder unglücklich, wie man glaubt.

 Die Wahrheit stiftet nicht soviel Nutzen in der Welt wie ihr Schein Schaden.

 Jedermann klagt über sein Gedächtnis, niemand über seinen Verstand.

 Vollkommene Tapferkeit besteht darin, daß man ohne Zeugen tut, was man vor aller Welt zu tun fähig wäre.

 Kein Mensch ist klug genug, um all das Böse zu kennen, das er tut.

 Unsere Handlungen sind wie Endreime, auf die jeder sich einen Vers machen kann.

 Aus den unterdrückten Maximen:
Luxus und allzu große Verfeinerung in den Staaten sind ein sicheres Kennzeichen ihres Untergangs, weil die einzelnen sich selbst nur so weit fördern konnten, wenn sie das allgemeine Wohl aus den Augen verloren.

 

„... Auf seinem Planeten sind die Leute Leute. Die Anführer sind Eidechsen. Die Leute hassen die Eidechsen, und die Eidechsen regieren die Leute.“

 „Merkwürdig“, sagte Arthur. „Ich meinte, du sagtest, es wäre eine Demokratie.“

 „Sagte ich“, sagte Ford, „ist es auch.“

 „Und warum“, sagte Arthur, der hoffte, er höre sich nicht lächerlich begriffsstutzig an, „schaffen sich die Leute dann die Eidechsen nicht vom Halse?“

 „Das kommt ihnen ehrlich gesagt nicht in den Sinn“, sagte Ford. „Sie haben alle das Wahlrecht, und so nehmen sie schlichtweg an, daß die Regierung, die sie gewählt haben, mehr oder weniger der Regierung nahekommt, die sie sich wünschen.“

 „Du meinst, sie wählen tatsächlich die Eidechsen?“

 „Aber ja“, sagte Ford achselzuckend, „natürlich.“

 „Aber“, sagte Arthur und stürzte von neuem auf die Kernfrage los, „warum?“

 „Weil, wenn sie keine Eidechse wählen würden“, sagte Ford, „käme vielleicht die falsche Eidechse ans Ruder. ...“

 Douglas Adams, Macht's gut und danke für den Fisch (vierter Band der Trilogie: Per Anhalter durch die Galaxis), 1984, aus Kapitel 36

 

Als eine Frau aus Attika Gorgo fragte: „Warum beherrscht ihr Spartanerinnen als einzige eure Männer?“, erwiderte sie: „Weil wir auch als einzige Männer gebären!“

 lakonischer Spruch; Gorgo war eine spartanische Königsfrau um 485 v.Z.; die spartanischen Frauen galten als freieste Frauen des antiken Griechenland

 

Was ich von dir, o Erde, ausgrabe, das soll schnell zuheilen. Laß mich, o Reinigende, nicht deine empfindliche Stelle, nicht dein Herz durchbohren!

 Aus der großen Hymne an die Erde, enthalten in der Atharvaveda-Sammlung, entstanden etwa 1000 v.Z.

 

„Für die Güte der Republik könnte man denselben Beweis anführen, den Boccaccio für die Religion anführt: sie besteht trotz ihrer Beamten.“

 Heinrich Heine, Gedanken und Einfälle, (in: Deutsche Aphorismen, herausgegeben von Gerhard Fieguth, Reclam, Stuttgart, 1978, Seite 111

 

„Tochter: Pappi, warum benutzt du die übrigen drei Viertel deines Gehirns nicht?

Vater: Oh, ja – das – weißt du, das Problem ist, daß ich auch Lehrer in der Schule hatte. Und die haben ein Viertel meines Gehirns mit Nebel gefüllt. Und dann habe ich Zeitungen gelesen und auf das gehört, was andere Leute sagten, und da war ein weiteres Viertel vernebelt.

Tochter: Und das andere Viertel, Pappi?

Vater: Oh, das ist der Nebel, den ich selbst erzeugt habe, als ich versuchte nachzudenken.“

 Bateson, Gregory, aus einem Metalog. In: Gregory Bateson: Ökologie des Geistes, Suhrkamp, Frankfurt a.M., 1985, amerikanisches Original 1972 (Seite 59), Erstabdruck des Metalogs 1953.

 

„Tochter: Pappi, was ist ein Instinkt?

Vater: Ein Instinkt, meine Liebe, ist ein Erklärungsprinzip.

Tochter: Aber was erklärt es?

Vater: Alles – fast alles überhaupt. Alles, was man damit erklären will.

Tochter: Sei nicht albern. Es erklärt doch nicht die Schwerkraft.

Vater: Nein. Aber nur deshalb, weil niemand will, daß ›Instinkt‹ die Schwerkraft erklärt. Wollte man es, dann würde er auch das erklären. Wir könnten einfach sagen, daß der Mond einen Instinkt hat, dessen Stärke sich umgekehrt proportional zum Quadrat der Entfernung verändert ...

Tochter: Aber das ist Unsinn, Pappi.

Vater: Ja, sicher. Aber du hast doch mit ›Instinkt‹ angefangen, nicht ich.“

 Bateson, Gregory, aus einem Metalog. In: Gregory Bateson: Ökologie des Geistes, Suhrkamp, Frankfurt a.M., 1985, amerikanisches Original 1972 (Seite 73), Erstabdruck des Metalogs 1969.

 

Karriere

Er stieg vom Amt zu Amt mit stetem Glück,
verkehrte höflich selbst mit Erzhalunken,
wich freundlich hier und freundlich dort zurück –
und so ist er gemach emporgesunken.

 Otto Ernst (1862–1926), nach: Deutsche Epigramme, herausgegeben von Klemens Altmann, Heimeran, 1966, Seite 112

 

Nationalität

Ein Vorzug bleibt uns ewig unverloren,
man nennt ihn heut die Nationalität;
sie sagt, daß irgendwo der Mensch geboren,
was freilich sich von selbst versteht.

 Franz Grillparzer (1791–1872), nach: Deutsche Epigramme, herausgegeben von Klemens Altmann, Heimeran, 1966, Seite 123

 

Die Waage gleicht der großen Welt:
das Leichte steigt, das Schwere fällt.

 Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), nach: Lessings Werke in fünf Bänden, fünfter Band, Aufbau-Verlag, Berlin & Weimar, 1978, Seite 43

 

Ich hörte von einem offenbar sehr vernünftigen Hofnarren sprechen, der gesagt hat: „Ich weiß nicht, wie es kommt, aber mir fallen immer nur Witze ein gegen Leute, die in Ungnade gefallen sind.“

 Nicolas Chamford (1741–1794), aus „Anhang zu den Charakteren und Anekdoten“, nach: Die französischen Moralisten, übersetzt und herausgegeben von Fritz Schalk, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig / Schünemann Bremen, 1980 (2. Auflage), Seite 621

 

Ein kleiner Junge bat seine Mutter um Konfitüren. „Gib mir zuviel davon“, sagte er.

 Nicolas Chamford (1741–1794), aus „Anhang zu den Charakteren und Anekdoten“, nach: Die französischen Moralisten, übersetzt und herausgegeben von Fritz Schalk, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig / Schünemann Bremen, 1980 (2. Auflage), Seite 631

 

„NACHTRÄGLICHE Vernünftigkeit. – Alle Dinge, die lange leben, werden allmählich so mit Vernunft durchtränkt, daß ihre Abkunft aus der Unvernunft dadurch unwahrscheinlich wird.“

 Friedrich Nietzsche, aus Aph. 1 der Morgenröte

 

„Ich glaube, dass Jeder über jedes Ding, über welches Meinungen möglich sind, eine eigene Meinung haben muss, weil er selber ein eigenes, nur einmaliges Ding ist, das zu allen anderen Dingen eine neue, nie dagewesene Stellung einnimmt.“

 Friedrich Nietzsche, aus Aph. 286 von Menschliches, Allzumenschliches I

 

„Unser waches Leben ist ein Ausdeuten innerer Triebvorgänge mit Hülfe des Gedächtnisses an alles Empfundene und Gesehene: eine willkürliche Bildersprache davon, wie das Träumen von der Sensation im Schlafen.“

 Friedrich Nietzsche, Nachlaß Herbst 1880, KSA 9, Seite 216

 

„Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Urteile und Meinungen über sie. [...] Wenn wir also in Schwierigkeiten geraten, beunruhigt oder betrübt werden, wollen wir die Schuld niemals einem anderen, sondern nur uns selbst geben, das heißt unseren Meinungen und Urteilen. [...] Der wirklich Gebildete schiebt die Schuld weder auf einen anderen noch auf sich selbst.“

 Epiktet, Handbuch der Moral, aus dem 5. Stück (Stück 16, über die Grenzen des Mitleids, gibt ein Beispiel dazu)

 

„Der Meister sprach: Der edle Mensch sucht nach Gründen in sich selbst, der Niedriggesinnte sucht sie in anderen.“

 Kung Tse, Lun Yü XV.20. Ausgabe: Dtv, 1991 (4. Auflage, Erstauflage 1985)

 

„Halte denen, die nach dir kommen, immer die Tür offen und versuche nicht, die Welt zu einer Sackgasse zu machen.“

 Ralph Waldo Emerson, Tagebücher, 15.06.1844

 

„Gott baut seinen Tempel in den Herzen auf den Ruinen der Kirchen und Religionen.“

 Ralph Waldo Emerson, Tagebücher, 24.03.1846

 

„Dieser Pöbel in Washington ist wirklich besser als die heulende Opposition. Er hat eine Art Genie von kühner, männlicher Färbung, wenn auch satanischer Prägung. Er sieht, wieviel eine kleine, gut geleitete, freche Clique gegen den einmütigen Volkswillen erreichen kann, wieviel Unrecht das Volk erträgt, und so kommt er Schritt für Schritt weiter [...].“

 Ralph Waldo Emerson, Tagebücher, Juni 1846

 

„Das Unwiderstehliche des Amerikaners: kein Gewissen; sein Wahlspruch wie der der Natur: ›Recht oder Unrecht, es gilt unser Land‹. [...]“

 Ralph Waldo Emerson, Tagebücher, 27.06.1847

 

„Man erwartet hier eine Revolution. Es wird keine Revolution geben, wenigstens keine, die diesen Namen verdient. Vielleicht gibt es eine Balgerei um Geld. [...] Erst wenn ich veränderte Menschen sehe, werde ich nach einer veränderten Welt Ausschau halten. [...]“

 Ralph Waldo Emerson, Tagebücher, London, April 1848

 

„Die Boulevards haben ihre schönen Bäume nicht mehr, sie wurden alle im Februar für Barrikaden gefällt. Am Jahresende werden wir uns Rechenschaft ablegen und sehen, ob die Revolution die Bäume wert war.“

 Ralph Waldo Emerson, Tagebücher, Paris, 06.05.1848

 

„Es ist merkwürdig, das Christentum, das Idealismus ist, wird von den Maklern verteidigt und von den Idealisten ständig angegriffen.“

 Ralph Waldo Emerson, Tagebücher, Juli 1853

 

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