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Haiku                                                                 Hier gehts zum Link des Haikurings

 

Schwerer Duft
Abendwiese. Die blaue Blume
im Heu.

Das Haiku entwickelte sich vor einigen hundert Jahren aus dem japanischen Kettengedicht (Renga). Mehrere Teilnehmer schrieben Strophen zu abwechselnd je drei und zwei Versen, für die es bestimmte Themen und Verknüpfungsregeln gab. Besonders wichtig war die erste Strophe, die üblicherweise vom Leiter einer Zusammenkunft verfasst, meist wohl schon zum Treffen mitgebracht wurde. Es lässt sich gut vorstellen, wie mancher Rengameister durch Wald und Flur streifend eine ganze Sammlung solcher möglicher Anfangsstrophen anhäufte. Mit der Zeit löste sich diese erste Strophe vom Kettengedicht und wurde eine eigenständige literarische Form.

Das Haiku ist knapp. Früher bestand es, der japanischen Gedichttradition folgend, meist aus drei Abschnitten von fünf, sieben und wieder fünf Silben, heute legen sich viele Dichter nicht auf eine bestimmte Silbenzahl fest.

Um abzusichern, dass sein inhaltlicher Schwerpunkt nicht auf Gedanken oder Vorstellungen, sondern auf dem beobachtbaren Geschehen des Augenblicks liegt, fordern manche Haikuschulen ein Jahreszeitenwort, das für Gegenwärtigkeit und Gegenständlichkeit bürgen soll.

Bildhaftigkeit statt Abstraktion gilt allen als wesentlich. Gefühle, Gedanken sind in das Bild immer schon verwoben, so wie sie selbst die Struktur unserer Sprache durchtränken. Der Schwerpunkt des Haikus aber liegt bei den wahrnehmbaren Dingen um uns herum.

Keine allgemeinen Betrachtungen, keine Schilderung lediglich innerer Zustände, möglichst kein „Ich“ – dafür die einigermaßen unvoreingenommene Beobachtung der unmittelbaren Umgebung, in der sich das Ich erst konstituieren kann (das Ich ist kein Ausgangspunkt, es ist ein Ergebnis): dies sind für mich die wichtigsten Merkmale des Haikus. Dagegen verstoßen, heißt das Haiku und seine Grenzen erkunden.

Im Kaufhaus das Mädchen,
offenes Blondhaar,
still vor den Barbie-Puppen.

 

Jahresrad                 Hier findet sich eine noch unbearbeitete Auswahl eigener Haiku der letzten 12 Monate. Mit jeder Aktualisierung der Seiten kommen unten neue Stücke hinzu, werden oben alte Stücke herausgenommen. So bewegt sich das Jahresrad durch die Zeit.

Schwalbenspur   Ein paar bearbeitete Haiku aus dem ersten Buch des Bands „Schwalbenspur“ (erscheint voraussichtlich Ende Oktober).